8. Juli 2019

Lager in die Fließprozesse integrieren, um für die Zukunft gerüstet zu sein

von Christian Beer

Es gab Zeiten, da waren die beiden Bereiche Lager und Produktion wie zwei Königreiche strikt getrennt. Beide arbeiteten nebeneinander her. Anstatt Pull wurde Push praktiziert, Lager wurden als Insellösungen angesehen. Das ist zwar heute noch oft der Fall, aber längst nicht mehr zeitgemäß. Heutzutage sollte ein Automatisches Kleinteilelager (AKL) voll in die Fließprozesse integriert sein und der Produktion als Puffer dienen. Ein AKL soll die Produktion direkt und zur richtigen Zeit mit dem richtigen Material beliefern. Dadurch ergeben sich für Kunden viele Vorteile:


  • Höhere Durchlaufgeschwindigkeit in der Produktion

  • Umlaufbestände werden reduziert

  • Stehzeiten in der Produktion und Wartezeiten gehören der Vergangenheit an

  • Weniger Schnittstellen

  • Suchzeiten entfallen

  • Qualität in den Prozessen steigt und Fehler werden reduziert

  • Sämtliche Daten stehen in Echtzeit zur Verfügung

Schlussendlich ist damit gewährleistet, dass Lager und Produktion perfekt aufeinander abgestimmt sind und das Lager so klein wie möglich, aber so groß wie nötig gehalten werden kann - „schließlich ist das beste Lager, das Lager, das man nicht hat“.

Voraussetzung dafür allerdings ist, dass im AKL hocheffizient und ohne Ausfallzeiten gearbeitet wird. Es muss höchste Prozesssicherheit gewährleistet sein. Einen Ausfall von einzelnen Gassen oder Ebenen oder gar einen Totalausfall des Automatischen Kleinteilelagers (AKL) darf es nicht geben.

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Damit das Lager in den Fließprozess integriert werden kann, sollten unnötige Schnittstellen eliminiert werden und die Produktion wennmöglich mit demselben Transportsystem beliefert werden.

 

Hohe Geschwindigkeit in der Nachbeschaffung

Was ein Lager für den Kunden bedeutet, das voll in die Fließprozesse integriert ist, zeigt das Beispiel unseres Kunden Phonak. Der Spezialist für hochwertige Hörgeräte hat seinen Produktionsstandort in Stäfa bei Zürich. Das Servus System verantwortet sämtliche Transporte entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Servus Transportroboter übernehmen die Ware beim Wareneingang, bringen sie ins Lager, in die Kommissionierung und zur richtigen Zeit an den richtigen Ort in der Produktion. Das Lager ist bei Phonak voll in den Fließprozess integriert, wodurch schnellstmögliche Zugriffszeiten gewährleistet sind. Die Schnittstellenlosigkeit und die damit verbundene Durchgängigkeit der Datentransfers bedeutet für Phonak eine enorme Steigerung der Durchlaufgeschwindigkeit: Wenn in New York in einem Shop ein Hörgerät verkauft und an der Kasse abgescannt wird, löst es automatisch einen neuen Produktionsauftrag für diesen Hörgeräte-Typ in Stäfa aus und unsere Transportroboter fahren los – ohne manuelle Bestellung, ohne zusätzlichen Arbeitsschritt, vollautomatisiert.

Nur wenn das Lager maßgeschneidert wird auf die Kundenbedürfnisse, kann es auch in den Fließprozess integriert und zum atmenden Puffer werden.

 

Lager als atmender Puffer

Darüber hinaus ist ein AKL heutzutage mehr denn je als atmender Puffer zu sehen. In Zeiten von Losgröße 1 und Same-Day-Delivery liegen Artikel nicht mehr Wochen lang im Lager. Jeder Kunde hat einen individuellen Bedarf. Handelt es sich um ein schnell oder langsam drehendes Lager, was sind die erforderlichen Taktzeiten? Sollen Supermärkte integriert sein? Wie viel Platz steht zur Verfügung? Wo ist das Lager am besten platziert? Wieviele Artikel sollen gelagert werden? Auf all diese Fragen müssen Anbieter heutzutage die passenden Antworten parat und Lösungen in den Schubladen haben und sich gleichzeitig intensiv mit dem Kunden auseinandersetzen.

Nur wenn das Lager maßgeschneidert wird auf die Kundenbedürfnisse, kann es auch in den Fließprozess integriert und zum atmenden Puffer werden. Wenn Logistik und Produktion zu einer Einheit verschmelzen ist der Weg für eine Lean Logistik und die vernetzte Fabrik von morgen geebnet.

Maßgeschneidert sollte auch immer die Kommissionierstrategie sowie die Kommissioniertechnologie sein. Mit Pick-by-Scan, Pick-by-Light, Pick-by-Vision und vieles mehr gibt es nahezu unzählige Möglichkeiten. Hierzu bedarf es einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Kunden um in weiterer Folge zielgerichtet auf die Kundenwünsche einzugehen und dann die passende Kommissionierlösung zu entwickeln und umzusetzen.

Weiters stellt sich die Frage ob zentrale Kommissionierstationen in Verbindung mit einem Zentrallager realisiert werden sollten oder dezentrale Kommissioniereinheiten mit dazugehörigen Pufferlagern – sprich es wird dort kommissioniert, wo das Material auch tatsächlich benötigt wird.

Nicht außer Acht gelassen werden darf die Flexibilität. Trotz aller Automatisierung müssen AKLs in Kapazität einfach erweiterbar und in Leistung beliebig skalierbar sein. Nur so bleibt ein Unternehmen auch für die Zukunft schlagkräftig und kann dynamisch auf die Entwicklungen des Marktes reagieren.

Bei der Einführung eines neuen Lagersystems gilt es also viele Fragen zu klären. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Materialfluss ist unausweichlich um dann gemeinsam mit dem Kunden die beste Lösung zu erarbeiten.

 

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